Verfasser/in der Frage

15.12.2012 11:44:31

Hallo Frau von Dewitz!

Ich finde Ihr soziales und ökologisches Engagement sehr beachtlich. Vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen und Marktkenntnis möchte ich Sie fragen, ob Sie der Meinung sind, dass nachhaltige Produktion mittelfristig zum Standard werden wird, oder ob andere Maßnahmen notwendig sind, namentlich (verschärfte) gesetzlich Regelungen. Mit Gesetzesänderungen geht es vielleicht schneller, auf überwiegend freiwilliger Basis ist es vielleicht dauerhafter, „echter“, glaubwürdiger. Was meinen Sie, fordern/wünschen Sie mehr rechtliche Vorgaben (auch um ggf. Wettbewerbsnachteile auszugleichen)?

Vielen Dank und beste Grüße,
Tobias Ernst

18.12.2012 16:17:01

Hallo Herr Ernst,

Grundsätzlich glaube ich, dass das Nachhaltigkeits-Niveau bei Produktionen langfristig ansteigen wird: aufgrund besserer Mess- und Überwachungsmethoden, aufgrund steigender Transparenz, aufgrund größeren öffentlichen Drucks und aufgrund von stärkeren rechtlichen Grundlagen wie bspw. durch REACH.
Aus unserer Sicht ergibt sich jedoch folgendes Bild: Wir können diese Entwicklung als mittelständisches Unternehmen nur bedingt beschleunigen. Wir sind angewiesen darauf, dass Marktpartner aus der Chemie und den Vorlieferanten "mitspielen". Als VAUDE können wir da eine Art Stachel sein, der mit viel Ausdauer mahnt und anspornt. Wir können jedoch niemanden "verpflichten", denn dazu sind unsere Produktions- und Abnahmemengen zu gering.
Wir konnten das sehr gut bei der Einführung des Umwelt-Textil-Standards "Bluesign" feststellen., der den Chemikalieneinsatz und Ressourcenverbrauch kontrolliert.)
Seit 2001 arbeiten wir mit Bluesign zusammen und es gelang uns in den folgenden Jahren nur wenig Lieferanten zu überzeugen, ihre Produktion von Bluesign zertifizieren zu lassen.
Dann kam die REACH Verordnung auf EU Ebene, die eine wesentlich größere Transparenz der Unternehmen über die chemischen Zutaten in ihrer gesamten Supply Chain erfordert. Hierfür war und ist Bluesign die ideale Antwort – für alle Textilunternehmen. Seither steigt die allgemeine Nachfrage nach Bluesign durch die Textil-Marken und wesentlich mehr Materialproduzenten lassen sich zertifizieren. Folglich gelang es uns in den letzten Jahren den Bluesign -Anteil in der Bekleidung auf ca. 70% zu steigern.
Das heißt, ja, ich befürworte rechtliche Regelungen in diesem Bereich. Sie tragen dazu bei, dass mehr Unternehmen sich Gedanken über nachhaltige Produktion machen müssen und hier nach Lösungen fragen. Aus diesem verstärkten Bedarf von Unternehmen werden wiederum mehr Lösungen erforscht und angeboten. Zudem trägt die erhöhte Nachfrage dazu bei, dass die Lösungen auch finanzierbar sind.

Adressat/in der Frage

Antje von Dewitz

Vaude Sport GmbH & Co. KG
CEO Geschäftsführerin
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