Verfasser/in der Frage

23.01.2014 18:08:32

Sehr geehrter Herr Dr. Baas, „Die beste Möglichkeit, die Zukunft vorauszusagen ist, sich an ihrer Gestaltung zu beteiligen“, so beginnt Hans Georg-Nelles seinen Artikel „Mehr Väter im Familienleben“ http://pandsid.com/wp-content/uploads/2014/01/Nelles_Artikel_Jan_14.pdf . Ihr Unternehmen ging ja 2013 als Sieger in der Kategorie der Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten aus dem Wettbewerb „Deutschlands Beste Arbeitgeber – Great Place to Work®“ hervor. Glückwunsch dazu! Meine ganz konkrete Frage an Sie unter Bezugnahme auf den Artikel von Herrn Nelles: Wenn neues Verhalten und Rollenmodelle nicht durch reden oder schreiben entstehen, sondern durch leben und vorleben, wie leben Sie dieses in Ihrem Unternehmen vor und wie beteiligen und unterstützen Sie die Väter an und in diesem Prozess? Und was konkret muss Ihrer Meinung nach passieren, damit sich Mütter mehr trauen, eine Führungsrolle in Unternehmen zu übernehmen? Herzlichen Dank für Ihre Antwort. Gruß. Nicola Hengst-Gohlke

31.01.2014 09:02:38

Sehr geehrte Frau Hengst-Gohlke,

vielen Dank für Ihre Frage. Zunächst einmal möchte ich Ihnen schreiben, dass es mich freut, wenn sich die althergebrachten Rollenbilder zugunsten der Gleichberechtigung von Frau und Mann verändern. Solche gesellschaftlichen Entwicklungen begrüße ich ganz persönlich und sehe darin auch große Chancen für die TK als Unternehmen. Wir möchten für alle – ob Frau oder Mann – gleichberechtigte (Aufstiegs-)Chancen im Unternehmen schaffen. Wir tun dies unter anderem mit unserem Junior-Management-Programm – abgekürzt JuMP. Dieses Programm richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bisher keine Führungskräfte sind, sich aber für eine Führungsposition interessieren. Voraussetzung für die Teilnahme an JuMP ist es, ein Auswahlinterview und einen Auswahltag erfolgreich zu absolvieren. Wir rekrutieren somit anhand möglichst objektiver Kriterien die Nachwuchs-Führungskräfte der Zukunft. Interessanterweise zeigt sich, dass besonders viele Frauen dieses objektive Auswahlverfahren erfolgreich absolvieren. Bezogen auf den Frauenanteil bei den Bewerbern schließen überdurchschnittlich viele Frauen das Verfahren erfolgreich ab. Das zeigt, mit einem objektiven Auswahlverfahren kann es gelingen, Frauen den Zugang zu Führungspositionen zu ermöglichen. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt für mich, dass wir dies sowohl Vätern als auch Müttern gleichermaßen ermöglichen müssen. Deshalb unterstützen wir sie dabei, ihre Elternzeit möglichst unkompliziert in Anspruch nehmen zu können. Und Führung ist bei uns auch in Teilzeit möglich. Außerdem bieten wir zum Beispiel Eltern-Kind-Arbeitszimmer an, falls die Kinderbetreuung mal wegbricht (natürlich sofern dies die Räumlichkeiten an unseren verschiedenen Standorten zulassen). Allgemein ist aber auch wichtig, dass die Unternehmen ihren Mitarbeitern Freiräume lassen. Persönlich halte ich es daher so, dass ich am Sonntag zwar grundsätzlich per Handy erreichbar bin (das geht in meiner Position auch nicht anders), aber nicht in meine E-Mails schaue. Damit möchte ich auch den Druck von meinen Mitarbeitern nehmen, ständig – also 24 Stunden am Tag – erreichbar sein zu müssen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Dr. Jens Baas

26.02.2014 12:46:38

Sehr geehrter Herr Dr. Baas, zunächst einmal herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine Frage zu beantworten. Ihre Ausführungen und die damit verbundene Haltung, das Vereinbarkeitsthema für Mütter und Väter gleichberechtigt zu denken und zu leben sind m. E. vorbildlich. Erlauben Sie mir dennoch Anschlussfragen zu einem Thema, welches in meiner Wahrnehmung viele Eltern, insbesondere mit kleineren Kindern, beschäftigt: Die Freistellung von Arbeitnehmer/innen bei plötzlicher Erkrankung von Kindern. Offenbar ist es so, dass eine Freistellung von 10 Tagen in vielen Fällen üblich ist, aber wohl leider nicht gesetzlich fest für alle Branchen und Unternehmen verankert ist. Der einzelne Arbeitgeber kann problemlos auch andere Vorgaben machen. So heisst es: „Es muss also stets die Rechtslage im Einzelfall geprüft werden“. Daher: Wenn dem wirklich so ist, warum gibt es hier eigentlich keine verbindliche gesetzliche Regelung? Und was wäre der erste Schritt auf dem Weg dorthin?
Und in Sachen mehr Väter im Familienleben: Was meinen Sie: Wie kommen wir an einen Punkt, wo die Situationen „Unsere Marketingleiterin Frau Müller fehlt heute wegen ihrer kranken Tochter“ genau so selbstverständlich ist wie „Unser Finanzdirektor Herr Meier kann heute keine Aufsichtsratspräsentation machen, weil sein Sohn krank ist.“?

Denn ich nehme wahr, dass ein gesellschaftliches Verständnis von und für „Ich bin ein in Vollzeit berufstätiger Vater und für meine kranken Kinder da“ ins besondere in Führungspositionen eher die Ausnahme als die Regel ist.

Ich freue mich auf Ihre Antworten. Mit freundlichen Grüßen. Nicola Hengst-Gohlke

28.02.2014 08:30:19

Sehr geehrte Frau Hengst-Gohlke,

vielen Dank für Ihre Anschlussfrage. Die Betreuungsproblematik bei einer plötzlichen Erkrankung des Kindes kennen sicherlich alle Eltern, spätestens dann, wenn die Grippe- und Erkältungssaison im Kindergarten oder der Schule Einzug gehalten hat. Deshalb ist es gut, dass ein gesetzlicher Anspruch auf Freistellung in gewissen Umfang besteht. Meines Erachtens funktioniert dies grundsätzlich auch ganz gut. Bei der Frage, ob an der gesetzlichen Regelung Veränderungsbedarf besteht, bin ich allerdings der falsche Ansprechpartner. Dies wäre im Zweifel eine politische Entscheidung.

Dass ich es aber richtig und wichtig finde, dass für alle – egal ob Frau oder Mann, ob Eltern oder nicht – gleichberechtigte Chancen in einem Unternehmen bestehen sollen, habe ich bereits in meiner letzten Antwort betont. Ich denke, wir sind hier bereits auf einem guten Weg.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jens Baas

Adressat/in der Frage

Jens Baas

Techniker Krankenkasse
CEOVorsitzender des Vorstands
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