Verfasser/in der Frage

13.08.2019 17:14:09

Obgleich wir allmählich dem Thema Klimawandel und in diesem Zusammenhang auch Fleischkonsum nicht mehr ausweichen können, fehlt es im Leben jedes einzelnen von uns doch sehr oft noch an der Konsequenz in unseren Handlungen. Viele warten, bis ihnen tatsächlich Lösungen vor die Nase gesetzt werden und selbst dann ist die Vermarktung nachhaltiger Alternativen kein Selbstgänger. Um eine solche Alternative zum Fleischkonsum soll es in meinem Interview mit Felix Bierholz gehen. Sein Unternehmen Ofrieda stellt ein alternatives Hundefutter her.

Felix, du bist ein junger Mann, hast Wirtschaftswissenschaften studiert und bist jetzt Start-Up-Unternehmer. Wie kam es dazu, wie kommst Du zu dem Thema?

13.08.2019 17:15:08

Begonnen hat das Projekt während meines Studiums in Bochum. Hier habe ich zusammen mit einem Gaststudenten aus China in einer WG gewohnt. Beim gemeinsamen Kochen haben wir uns über die verschiedenen Esskulturen unterhalten und kamen so auf das Thema Insekten. Ich habe gelernt, dass Grillen, Mehlwürmer und Co. nicht nur nachhaltig und nährstoffreich sind, sondern auch köstlich schmecken können. Seitdem hat mich die Faszination für Insekten nicht mehr losgelassen.
Ich habe angefangen selber Insekten zu verköstigen und zum Beispiel proteinreiche Nudeln aus Insekten hergestellt.

13.08.2019 17:21:14

Was verbindet dich mit Hunden?

13.08.2019 17:22:36

Als ich erfahren habe, dass ein mittelgroßer Hund durchschnittlich 3 x soviel Fleisch verschlingt wie ein Mensch, kam mir die Idee mit dem Hundefutter. Ich habe sofort Kontakt zu Tierärzten, Insektenexperten und einem erfahrenem Futterhersteller aufgenommen. Durch das aufgebaute Netzwerk hatte ich das nötige Fachwissen um mit dem Projekt starten zu können. Ich wollte schon immer einer Arbeit mit Sinn nachgehen. Heute habe ich die Möglichkeit mit meinem Futter einen Mehrwert für Tier, Mensch und Umwelt zu schaffen. Das ist wirklich großartig.

13.08.2019 17:23:58

Kannst Du einmal näher beschreiben, woraus sich das Ofrieda-Hundefutter zusammensetzt?

13.08.2019 17:24:38

Herkömmliches Hundefutter ist weder besonders gesund, noch nachhaltig. Wir trauen uns anders zu sein. Wir verwenden Insekten als nachhaltige Alternative zu Fleisch. Insekten sind eine sehr verträgliche Proteinquelle mit einer hohen biologischen Wertigkeit. Das bedeutet, dass ihr Eiweiß vom Hund hervorragend verwertet werden kann. Bei ihrer Zucht werden keine Antibiotika eingesetzt und nur wenige Ressourcen benötigt. So können unsere Hunde das Futter unbeschwert genießen. Außerdem sind Insekten eine sehr seltene Proteinquelle. Damit eignet sich das Futter auch perfekt für sensible Hunde und Hunde mit Allergien.
Neben den Insekten enthält das Futter zum Beispiel auch Süßkartoffel, Apfel und Salbei. So liefern wir dem Hund alle Nährstoffe, die er für ein glückliches Hundeleben benötigt.

13.08.2019 17:25:27

Was ist Dir wichtig und worum geht es Dir im Kern?

13.08.2019 17:26:34

Meine Vision ist es, dass Hundebesitzer ihren Hund mit einem guten Gewissen ernähren können. Dazu gehört für mich, dass das Futter lecker, gesund und nachhaltig ist. Rückblickend werden wir Menschen die konventionelle Massentierhaltung als ein dunkles Kapitel betrachten. Deswegen ist ein Umdenken erforderlich. Kinder, die heute geboren werden, werden den Verzehr von Insekten vollkommen neu bewerten. Sie werden ihren hohen Nährstoffgehalt und den geringen Ressourcenbedarf zu schätzen wissen, und sie als leckere Proteinquelle genießen können. Ich bin stolz darauf, von Beginn an ein Teil dieses Wandels zu sein.

13.08.2019 17:28:25

Du hast Dich dann für ein Startup entschieden, statt einem Konzern Deine Idee anzubieten, warum?

13.08.2019 17:29:29

Mit meinem Startup Ofrieda habe ich die Möglichkeit meine Vision direkt in die Tat umzusetzen. Startups können viel flexibler reagieren als Konzerne und so neue Ideen besser ausprobieren.

13.08.2019 17:30:19

Woher nimmst Du den Optimismus, dass Hundebesitzer bereit sind, eine so grundlegende Veränderung in der Fütterung ihrer „Lieblinge“ vorzunehmen?

13.08.2019 17:31:06

Ich habe in den vergangenen zwei Jahren extrem viele positive Rückmeldungen von Hundebesitzern erhalten. Viele Hundehalter sind mit dem herkömmlichen Futter unzufrieden. Zum einen haben wir Millionen Menschen, die selber ihren Fleischkonsum reduzieren, aber keine geeignete Alternative zu Fleischprodukten für Ihren Hund haben. Zum andern haben wir eine steigende Anzahl an Hunden, die unter Allergien und Unverträglichkeiten leiden. Dies ist sowohl für die Hunde, als auch für Herrchen und Frauchen mit viel Leid verbunden. Insekten sind in beiden Fällen ein echter Problemlöser.

13.08.2019 17:32:02

Einerseits reden wir vom Insektensterben und andererseits willst Du Insekten zu Hundefutter verarbeiten, ist das kein ökologischer Widerspruch?

13.08.2019 17:32:45

Nein, das ist kein Widerspruch. Das Insektensterben ein riesiges Problem. Es kann unser natürliches Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Daran ist aber vor allem die industrielle Landwirtschaft schuld. Durch Monokulturen, Pestizideinsatz und der geringen Anzahl von Hecken und Randstreifen auf Feldern. Insekten für den menschlichen Verzehr und die Verarbeitung von Hundefutter werden in Europa in speziellen Farmen gezüchtet. Da hierfür deutlich weniger Ressourcen benötigt werden als zum Beispiel für die Mast von Rindern, ist das für unser Ökosystem die bessere Alternative.

13.08.2019 17:37:34

Gibt es hinreichend Studien zu der Risikoeinschätzung bzw. Unbedenklichkeit eures Hundefutters? Kann der Hundebesitzer ganz sicher sein, seinem Hund etwas Gutes zu geben?

13.08.2019 17:38:21

Insekten sind ein hochwertiges Nahrungsmittel, das von ca. zwei Milliarden Menschen regelmäßig konsumiert wird. Auch für Hunde eignet sich das Nährstoffprofil der Insekten gut. Insekten enthalten nämlich alle essentiellen Aminosäuren und sind reich an gesunden Fetten sowie wichtigen Mineralstoffen. Die Insekten (Hermetia Illucens) sind als Futtermittel für Hunde zugelassen und auch Studien belegen, dass das Protein der Insekten eine hohe Verdaulichkeit hat. Als Eiweißquelle sind sie also mindestens genauso gut wie Fleisch oder Fisch.

13.08.2019 17:39:16

Warum reicht es nicht Biohundefutter zu verwenden?

13.08.2019 17:40:08

Fleisch frisst Land. Vielen Tierhaltern ist gar nicht bewusst, wie viel Fleisch ihre Tiere konsumieren und welche Konsequenzen das hat. Ein mittelgroßer Hund konsumiert durchschnittlich 164kg Fleisch pro Jahr. Bei Biofleisch sind zwar die Haltungsbedingungen besser als bei konventionellen Mast, aber dennoch werden für die Fleischproduktion Unmengen an Ressourcen benötigt.

13.08.2019 17:41:06

Kannst Du mir ein paar Mengenvorstellungen für den Vergleich von herkömmlichem Hundefutter zu eurem Futter geben?

13.08.2019 17:41:52

Ein Rind pro Kilogramm Körpergewicht viermal so viel Futter, 12 mal mehr Platz und produziert 100 mal mehr CO2. Außerdem ist die Aufzucht von Insekten viel artgerechter und kommt ohne den Einsatz von Antibiotika aus.
Bei jeder Fütterung des Insekten-Hundefutters (250g Trockenfutter) spart man 6 Badewannen Wasser ein.

13.08.2019 17:42:36

Bitte sage ein paar Worte zur Wirtschaftlichkeit Deines Futters.

13.08.2019 17:43:11

Die Produkte von Ofrieda sind ein gutes Beispiel dafür, dass sich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nicht ausschließen. Wir haben es geschafft ein wettbewerbsfähiges Produkt zu entwickeln, dass für viele Kunden eine echte Alternative zum herkömmlichen Futter mit Fleisch ist. Mit einem Preis von 5,99 € pro Kg befinden wir uns im Premiumsegment.

Adressat/in der Frage

Felix Bierholz

Ofrieda
Geschäftsführer

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