Verfasser/in der Frage

10.09.2012 22:58:53

Hallo Herr Spreitzer, können Unternehmen ohne einen Auftritt in Sozialen Netzwerken, wie Facebook oder Twitter, überhaupt noch erfolgreich sein?

10.09.2012 23:03:42

Liebe Frau Seiderer, darauf gibt es natürlich keine eindeutige Antwort. Es kommt immer darauf an, welche Zielgruppe ein Unternehmen anspricht. Davon hängt auch ab, wie entscheidend Netzwerke, so wie Facebook oder Twitter für den Auftritt der Firma sind. Es sind wichtige Instrumente bei der Kundenansprache, die auch zunehmend an Bedeutung gewinnen.

10.09.2012 23:04:17

Die Telekom ist auf diesem Gebiet schon seit vielen Jahren aktiv. Was hat sie anderen Unternehmen voraus?

10.09.2012 23:05:38

Wir haben von Anfang an versucht, sehr offen mit diesem Thema umzugehen. Intern und extern. Viele sind den sozialen Netzwerken am Anfang eher kritisch begegnet. Aber wir haben frühzeitig erkannt, dass die Chance, die in solchen Plattformen liegt, höher ist als das Risiko. Natürlich wandeln sich die Rahmenbedingungen permanent und das Geschäft ist schnelllebig. Eine Nachricht erst 48 Stunden später zu beantworten ist heute nicht mehr zeitgemäß. Man muss sich als Unternehmen der Geschwindigkeit solcher Kommunikationskanäle anpassen. Für Wirtschaftsbosse ist dies aber nicht immer ohne Weiteres möglich, wenn die Antwort sofort in tagesaktuelle Berichterstattungen fließen. Da Meinungsänderungen in der Tagespresse als Schwäche gelten, muss die Antwort meist gut überlegt sein.

10.09.2012 23:06:56

Macht es Sinn Mitarbeitern zu verbieten, dass sie sich während der Arbeitszeit in sozialen Netzwerken Online bewegen?

10.09.2012 23:07:39

Nein. Vergleicht man Chancen und Risiken, kann ein Unternehmen weit mehr davon profitieren, wenn sich die Mitarbeiter mit sozialen Netzwerken beschäftigen und diese Kommunikationskanäle auch nutzen. Ich sehe es als Chance, wenn die Kollegen digital kommunizieren und sich informieren. Damit sind sie auch in der Lage, direkt mit ihrer Zielgruppe in Verbindung zu treten. Sie zeigen damit auch, dass sie sich mit diesen Themen auskennen, wissen, wovon sie sprechen. Das erhöht die Glaubwürdigkeit.

10.09.2012 23:08:29

Welchen Vorteil kann ein Unternehmen aus einer Plattform wie managerfragen.org ziehen, die sich für den direkten Dialog zwischen Managern und Bürgern einsetzt?

10.09.2012 23:09:26

Entscheidend ist bereits die Tatsache, dass sich die Unternehmen mit diesem Thema eingehend beschäftigen. Denn es gibt nichts Schlimmeres als Firmen, die sich zwar einen Auftritt auf einem sozialen Netzwerk anlegen, diesen aber nicht betreuen. Daran scheitern viele. Ähnlich ist das auch bei einer Plattform wie managerfragen.org. Wenn sich Unternehmen auf managerfragen.org registrieren und sich dort dem direkten Dialog mit dem Bürger stellen, ist es wichtig, entsprechende Vorbereitungen zu treffen: Die entsprechende Presse- und Marketingabteilung einer Firma muss sich vorher überlegen, wie sie vorgehen will. Schließlich werden auf der Plattform Manager und Chefs einer Firma direkt mit dem Bürger kommunizieren. Nicht der Pressesprecher. Aber der Chef muss trotzdem wissen, welche Botschaften er auf den Markt bringen will und darf.

10.09.2012 23:10:02

Genau darum geht es dem Team von managerfragen.org. Nicht der Pressesprecher kommuniziert mit dem Bürger, sondern der Chef selbst.

10.09.2012 23:10:36

Das ist natürlich auch ein Anreiz der Plattform für die Firmen: Sie sind dazu aufgefordert, sich zu beteiligen. Denn die Kommunikation findet im Netz ohnehin über sie statt. Aber eben auch ohne sie. Auf managerfragen.org können sie sich für den direkten Dialog entscheiden. Dabei wird es sehr wichtig sein, dass die beteiligten Manager authentisch kommunizieren. Es geht dabei nicht um feingeschliffene Botschaften, sondern darum authentisch zu diskutieren und mit dem Bürger offen über Fragen zu sprechen.

10.09.2012 23:11:00

Kann direkter Dialog zwischen Managern und Bürgern im Netz aus Ihrer Sicht dazu beitragen, das Vertrauen in das Handeln der Entscheider wieder herzustellen?

10.09.2012 23:11:19

Dazu kann eine solche Plattform sicherlich beitragen. Voraussetzung ist aber, dass der Manager, wenn er die Chance auf direkten Dialog bekommt, diese auch wahrnimmt. Er muss mutig sein, Klartext reden, nicht vorgefertigte Texte herunterbeten. Der Manager muss sich in dem Moment darüber bewusst sein, dass das, was er sagt, auch nicht mehr überarbeitet wird und genau so stehen bleibt.

05.10.2012 11:22:42

Optimierte Antworten nach Einfluss der Macher auf den Frage-Antwort-Prozess wird es nicht geben. Alleine Bürger und Manager bestimmen, wie und über welches Thema sie diskutieren.

05.10.2012 11:24:59

Damit entsteht auch für den Bürger die Möglichkeit, das zu fragen, was ihn wirklich interessiert und beschäftigt. Kein Journalist, kein anderes Medium ist dazwischen geschaltet. Gleichzeitig ist das auch ein Grund für die Manager, offen zu sprechen: Oft tun sie das nicht, weil sie davor Angst haben, ihre Meinung später in den Medien zu finden. Aber eben nicht so, wie sie wirklich ist oder was sie ursprünglich gesagt haben. Und genau an dieser Stelle muss managerfragen.org sicherstellen, dass das offene Wort nicht den Weg in eine verzerrte Berichterstattung findet. Nur dann werden Manager sich trauen, offen auf der Plattform zu kommunizieren, die sich normalerweise über ihre Presseabteilungen absichert.

05.10.2012 11:26:07

Der Manager sollte sich auch nicht zu viel Zeit lassen mit seiner Antwort. Die Nutzer auf der Plattform können sehen, wenn ein Manager wochenlang nicht auf eine Frage reagiert.

05.10.2012 11:27:05

Das ist sicherlich ein Dilemma, dem viele Unternehmen gegenüberstehen: Sie müssen sich der Geschwindigkeit des digitalen Zeitalters anpassen. Viele Top-Entscheider gehören noch zu einer Generation, die auch die alten Kommunikationsinstrumente kannte, die zu Beginn ihrer Karriere noch eine Rolle spielten. Viele von ihnen haben wahrscheinlich noch über Briefe korrespondiert. Das ermöglichte, sich mit der Antwort Zeit zu lassen, die Argumente mehrmals zu prüfen, abzuwägen und zu überlegen. Das muss heute wesentlich schneller passieren. Allerdings darf dies nicht die Qualität beeinträchtigen. Die neue Art der Kommunikation zum Beispiel im Social Web ist meist deutlich oberflächlicher. Dies können sich Firmenchefs nicht leisten. Daher muss heutzutage beides sicher gestellt werden: Eine schnelle Entscheidung, die trotzdem sauber recherchiert und tiefgründig ist. Dies ist natürlich immer schwierig und erzeugt einen gewissen Druck. Nicht immer sind schnelle Antworten möglich, zum Beispiel bei strategischen Entscheidungen. Denn Aussagen verbreiten sich über das Internet besonders schnell. Einmal Gesagtes, lässt sich, wenn überhaupt, nur schwer wieder rückgängig machen. Damit tun sich gerade Chefs oft noch schwer..

Adressat/in der Frage

Thomas Spreitzer

T-Systems International GmbH
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