Verfasser/in der Frage

08.09.2015 18:52:23

Guten Tag, Herr Dr. Baas,
auf dem Weg zur Arbeit bin ich heute in „Die Welt“ folgendem Artikel begegnet:
Roboter pflegen Alte billiger – und unmenschlicher
http://www.welt.de/wirtschaft/article146124455/Roboter-pflegen-Alte-billiger-und-unmenschlicher.html
Nachdem sich die Techniker Krankenkasse auch mit dem Thema der Digitalisierung bei Ihrem Zukunftskongress auseinandergesetzt hat, würde mich interessieren, wie SIE persönlich über einen solchen Artikel als Verantwortungsträger denken.
Freue mich sehr über Ihre Einschätzung.
Herzliche Grüße nach Hamburg,
Ihr
Michael Garkisch

11.09.2015 15:27:02

Hallo Herr Garkisch,

vielen Dank für den Hinweis auf den Artikel in der Welt – ich hatte diesen auch gesehen und mit Interesse, teilweise aber auch mit gemischten Gefühlen gelesen. Viele technische Neuerungen kommen auf uns zu. Sie werden uns dabei helfen, so manches im Gesundheitswesen künftig besser zu machen. Und dafür setzt sich die TK aktiv ein.

Schon heute ist absehbar, dass wir künftig im Bereich der Telemedizin und des Monitorings erheblich weiterkommen werden. Und ich habe den Mathematiker und Philosophen Prof. Dr. Gunter Dueck von unserem Zukunftskongress im Ohr, der über die Chancen dieser Entwicklung sprach, zum Beispiel als er schilderte, wie viel leichter es doch fiele, als Angehöriger demenzkranke Familienangehörige via Smartphone zu unterstützen. Und zu schauen, ob dort etwa der Herd oder der Wasserhahn abgestellt sind und dies per App notfalls nachzuholen. All das mit dem Ziel, dass Menschen in dieser Situation – derart "ge-monitored" – länger in ihrem gewohnten Umfeld leben können und nicht in ein Pflegeheim müssen.

Und auch im Bereich der digitalen Gesundheit entwickeln sich die Dinge rasant: Arzttermine online buchen, Blutzucker messen und elektronisch ins Tagesbuch eintragen lassen oder – jetzt neu – Tinnitus mit dem Smartphone behandeln – viele von diesen Entwicklungen gehen bisweilen atemberaubend schnell und werden ihren festen Platz im Gesundheitswesen einnehmen. Die Digitalisierung der Gesundheit ist erst am Beginn und wird nicht aufzuhalten sein.

Ich finde es wichtig, dass bei all den möglichen Neuerungen nicht von vornherein alles bejubelt oder verteufelt wird, sondern dass zwischen den Skeptikern und den Befürwortern ein Dialog stattfindet. Der von Ihnen angesprochene Pflegeroboter ist so ein Fall: Als Unterstützung der Pflegekräfte – zum Beispiel bei schweren körperlichen Tätigkeiten – kann sein Einsatz sehr hilfreich sein. Aber die Vorstellung von einer menschenleeren, rein roboterbetriebenen Pflegestation mit lauter alten, einsamen Menschen darin… Dies wäre für mich keine Vision, die ich mir in Realität wünsche.

Es wird also bei all diesen Entwicklungen darum gehen, eine konstruktiv-kritische Diskussion über dieses Thema zu führen und dieser eine Plattform zu geben. Und ich glaube, dass wir als Krankenkasse hier eine klare Position beziehen müssen. Das ist der Grund, warum wir den Zukunftskongress in dieser Form organisiert haben. Wir wollen alle technischen Möglichkeiten und Chancen einer vernetzten Datennutzung im Interesse unserer Versicherten nutzen. Als nicht-gewinnorientiertes Unternehmen sehe ich uns hier als der ideale und prädestinierte Player.

Übrigens finden Sie weitere Informationen zum Zukunftskongress im Internet (www.tk.de/zukunftskongress). Den Vortrag von Prof. Dueck gibt es ab kommender Woche bei Youtube.

Danke nochmals für Ihre Nachricht!

Ihr Jens Baas

25.09.2015 08:54:52

Hallo Herr Dr. Baas,

Danke für die schnelle und umfassende Antwort. War wie immer total spannend von Ihnen zu lesen. Echt toll, dass Sie sich so viel Zeit nehmen! :)

Ich sehe das genau so. Bei uns im Rettungsdienst steht auch der Patient als Mensch mit seinem aktuellen Problem im Mittelpunkt. Eine Anamnese durch den Rettungassistenten oder uns Rettungssanitäter ist da unerlässlich. Aber auch hier schreitet natürlich die Digitalisierung voran. Wir haben jetzt die Dokumentation über das NIDA-pad. Das ist wirklich spannend, weil man (in der Endausbauphase) auch mit den Kliniken bei uns kommunuizieren können. Gerade bei uns im ländlichen Raum eine gute Entwicklung und ein Mehrwert für unser ANRegioMed-Klinikum und den Patienten. Man darf aber halt aber das Pad nicht „über“ den Patienten stellen und wir Ehrenamtler müssen uns immer weiterbilden.

Aber jetzt habe ich natürlich noch zwei brennende Fragen:

– Die TK gibt ihren Versicherten Zuschüsse z.B. für die Apple-Watch oder auch für die App „Tinnitracks“. Wie entscheidet ihr bei Euch sowas, oder nach welchen Kriterien werden Innovationen aufgenommen?

– Eine Leidenschaft von mir ist die Wissensvermittlung. Ich darf im Wintersemester „Innovation in der Gesundheitsökonomie“ bei angehenden Gesundheitsmanagern (Bachelor) lehren. Was muss ich in dem Kontext auf jeden Fall lehren oder ansprechen?

Und weiter geht unser Dialog.
Freue mich. Liebe Grüße nach Hamburg,

Ihr Michael Garkisch

Adressat/in der Frage

Jens Baas

Techniker Krankenkasse
CEOVorsitzender des Vorstands
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