Verfasser/in der Frage

04.01.2016 07:40:05

Hallo, sehr geehrter Herr Baas, liebe Vertreter der Krankenkassen, ist das gerecht, steigende Beiträge nun nur noch für meist schon gebeutelte Arbeitnehmer, sind nur die Arbeitnehmer an den Kosten, den steigenden lasten für Krankenkassen Schuld? Was ist da noch übrig vom Begriff Solidarität und Solidargemeinschaft auf dem Arbeitsmarkt? Opfern wir Arbeitnehmer nicht unsere Gesundheit auch für Arbeitgeber, wie ergeht es besonders Leuten wie mir, die seit Jahrzehnten nur in atypischen Beschäftigungsverhältnissen leben? Ist das Pendeln zur Arbeit nicht schon belastend und teuer genug, dazu die Perspektivlosigkeit in gerade solchen Jobs? Macht diese vorhandene Arbeitswelt nicht Millionen Arbeitnehmer krank, von Medikamenten abhängig? Wie steht Ihre Krankenkasse dazu? Sollen nun nur noch Arbeitnehmer die Mehrkosten tragen?

06.01.2016 17:19:15

Sehr geehrter Herr Mergel,

die unterschiedlichen Positionen zur Beitragsgerechtigkeit werden zurzeit ja politisch kontrovers diskutiert – es ist die Aufgabe des Gesetzgebers, diese abzuwägen und gegebenenfalls die aktuelle Regelung anzupassen. Selbstverständlich handeln wir als Krankenkasse immer im Rahmen der geltenden Gesetze.

Wir beobachten seit Jahren kontinuierlich steigende Kosten im Gesundheitswesen, wobei der medizinische Fortschritt sowie der demografische Wandel starke Treiber sind. Zudem hat die Regierung in den vergangenen Monaten einige neue Gesetze verabschiedet. Diese bringen wichtige Verbesserungen im Gesundheitswesen, werden in Zukunft jedoch zu einer zusätzlichen Ausgabensteigerung führen. Dass die daraus resultierenden steigenden Gesundheitsausgaben dauerhaft allein von den Arbeitnehmern getragen werden können, halte ich für unrealistisch. Wie gesagt ist diese Entscheidung allerdings nicht durch die Krankenkassen selbst zu treffen, sondern auf bundespolitischer Ebene.

Ihre Ausführungen zur besonderen Situation von Menschen mit befristeten Arbeitsverhältnissen spiegeln sich zum Teil auch in unseren Daten wider. So gab unser Gesundheitsreport 2013, der sich schwerpunktmäßig mit diesem Thema befasst hat, Hinweise auf eine erhöhte psychische Belastung insbesondere bei männlichen Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen. In unserem Gesundheitsreport von 2012 haben wir zudem die Situation von Pendlern genauer beleuchtet. Berufspendler, zu denen etwa 45 Prozent der Beschäftigten in Deutschland zählen, sind unter dem Strich sogar seltener und insgesamt weniger krankgeschrieben als Menschen, die nahe am Wohnort arbeiten. Sie sind jedoch häufiger und langwieriger von psychischen Diagnosen betroffen.

Als Krankenkasse ist es unsere Aufgabe, über Präventionsangebote zur Gesunderhaltung unserer Versicherten beizutragen. Als besonders wirkungsvoll haben sich dabei Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements erwiesen. Hier engagierten wir uns stark – wohlwissend, dass dies keine vollständige Lösung für die Probleme ist, die etwa aus den genannten Arbeitssituationen entstehen können. Aber wir sehen es ganz klar in unserer Verantwortung, einerseits Unternehmen dabei zu unterstützten, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern, und andererseits auch unsere Versicherten selbst dabei zu unterstützen, ganz individuell zu einem gesundheitsförderlichen Umgang mit Belastungen zu finden. Dabei sind jedoch nicht allein wir als Krankenkasse gefragt, uns einzubringen. Prävention ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Dies gilt für die Politik, indem sie dafür den gesetzgeberischen Rahmen schafft, die Arbeitsgeber, indem sie in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen sowie eine ebensolche Unternehmenskultur etablieren, aber auch jeder Mitarbeiter selbst, da schlussendlich die Verantwortung für die eigene Gesundheit bei jedem selbst liegt.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Jens Baas

12.01.2016 21:21:39

Hallo, sehr geehrter Herr Baas, Danke für Ihre Antwort. Menschen ohne Ängste, die ohne Druck und mit Freude und Perspektive arbeiten, sind gesünder und innovativer als meist nur funktionierende, brav angepasste Menschen, die vor Angst und Druck kaum noch wirklich gesund sein können. Das sollten Krankenkassen der Wirtschaft, den Arbeitgebern und auch bitte der Politik deutlich und klarer rüberbringen. Vielleicht sollte ein Begriff mehr Einzug halten, Wohlfühlagenturen und Wohlfühlkassen. Menschen sollten sich überall wohlfühlen, privat und bei der Arbeit, das Wort kommt einfach zu selten vor. Vielleicht könnten das mal Krankenkassen anregen, das Wohlfühlen der Menschen darf nicht überschattet werden durch Zwänge und Druck, Ängste vor allem vor der Zukunft.
Hier könnte man viel Geld sparen, wenn das klappen würde.
Viele Grüße- Uwe Mergel

Adressat/in der Frage

Jens Baas

Techniker Krankenkasse
CEOVorsitzender des Vorstands
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