Verfasser/in der Frage

14.11.2013 17:13:46

Sehr geehrter Herr Dr. Baas,

zunächst einmal herzlichen Dank, das Sie sich hier in die Arena des Diskurses begeben :-)

Ich erlaube mir Ihnen eine Frage zu stellen, die mich als Entrepreneur an der Schnittstelle Healthcare / Neue Medien / Sozialunternehmertum sehr bewegt: bei allen bekannten gesundheitspolitischen Einschränkungen und gleichzeitig vor dem Hintergrund der gesundheitsökonomischen Vorteile, was hindert Krankenkassen daran der StartUp – Szene mehr Unterstützung zukommen zu lassen? Ich würde mir einen Corporate Venture Capital – Arm der Techniker Krankenkasse wünschen, der in Deutschland und Europa in geeigneten Unternehmensgründungen investiert und dadurch neue Technologien und neue Soziale Innovationen skaliert. Gibt es solche Aktivitäten, und falls nicht: was spricht dagegen? Wie schätzen Sie das Potenzial für Krankenkassen (sowohl unternehmerisch als auch durch Einsparungen) ein, das sich aus Healthcare StartUps ergeben könnte?

Herzlich aus der Hauptstadt, Ihr

Manouchehr Shamsrizi …

19.11.2013 15:33:43

Sehr geehrter Herr Shamsrizi,

zunächst einmal danke ich Ihnen für Ihre Frage. Als die Macher von managerfragen.org vor kurzem auf mich zugekommen sind und gefragt haben, ob ich bereit bin, mich den Fragen der User zu stellen, hat mich das sehr gefreut. Denn wirtschaftliche Fragestellungen bewegen uns letztendlich alle, und ich bin davon überzeugt: Der offene Dialog zwischen Bürgern und Entscheidungsträgern in Unternehmen kann dazu beitragen, wirtschaftliche Prozesse besser zu verstehen und gleichzeitig ein besseres Verständnis für die getroffenen Entscheidungen zu wecken.

Aber genug der Vorrede, jetzt zur Ihrer Frage: Es ist tatsächlich so, dass der Gesetzgeber den Einsatz der Beitragsgelder, die den Krankenkassen zur Verfügung stehen, abschließend geregelt hat. Das heißt: Unsere Aufgabe ist es, die medizinischen Versorgung unserer Versicherten zu finanzieren und zu gestalten. Dabei gehen wir als Techniker Krankenkasse immer wieder auch neue Wege – mit dem Ziel, unseren Kunden möglichst frühzeitig innovative Behandlungsverfahren anzubieten. Das können zum Beispiel Verträge zur sogenannten Integrierten Versorgung sein, bei denen die verschiedenen Leistungserbringer – also ambulant tätige Ärzte, Kliniken, etc. – fachübergreifend zusammenarbeiten. Gerade in diesen Verträgen werden oftmals neue Technologien eingebunden, um die medizinische Versorgung qualitativ und im Sinne der Patienten zu verbessern. Stichwort Telemedizin. Partner in solchen Verträgen können dann auch Start-Ups sein, sei es in Bezug auf die eingesetzte Technologie, die Prozesse oder auch die Management-Leistung. In Bezug auf eine Verbesserung der Versorgung – in der medizinischen Qualität, in ökonomischen Aspekten oder idealerweise in beidem zusammen – können wir also mit Start-Ups zusammenarbeiten und tun das auch schon heute. Hier sehe ich persönlich auch durchaus weitere Potentiale, gerade durch Start-Ups „frischen Wind“ in das ein oder andere Thema zu bekommen. Was wir nicht können, ist selbst in Start-Ups zu investieren. Denn zu den wesentlichen Prinzipien der Kassen gehört, dass sie nicht gewinnorientiert wirtschaften. Wir sind keinem Shareholder, sondern ausschließlich unseren Kunden verpflichtet. Dies wirkt sich natürlich auch auf die Strategie des Unternehmens aus. Investitionen in Venture-Capital mit dem Ziel, Beteiligungen später gewinnbringend zu verkaufen, sind daher – abgesehen von den rechtlichen Vorgaben – kein geeignetes Betätigungsfeld einer gesetzlichen Krankenkasse. Also nochmal ganz deutlich: Förderung von geeigneten Start-Ups, indem wir mit ihnen zusammenarbeiten, ist nicht nur möglich, sondern wird von uns bereits praktiziert. Beteiligungen an Start-Ups sind dagegen nicht möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Dr. Jens Baas

Adressat/in der Frage

Jens Baas

Techniker Krankenkasse
CEOVorsitzender des Vorstands
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