Verfasser/in der Frage

24.01.2014 15:52:22

Sehr geehrter Herr Diekmann, Prof. Ortwin Renn, Leiter der Abteilung Technik- und Umweltsoziologie (SOWI V) des Instituts für Sozialwissenschaften und Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS) der Universität Stuttgart, hat mit der Publikation „Das Risikoparadox – Warum wir uns vor dem Falschen fürchten“ (Fischer Taschenbuch Verlag, 2014) einen neuen Beitrag zur Debatte um Risiken vorgelegt. Prof. Günter Stock, Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und des Zusammenschlusses der europäischen Wissenschaftsakademien ALLEA kommentierte am Erscheinungstag die Publikation: „Das aufklärerische Buch von Ortwin Renn zeigt, dass mündige Bürger offensichtlich nur risikomündige Bürger sein können.“ (Vgl. http://idw-online.de/de/news570279) . Meine Frage an Sie: Wie genau wird man denn ein risikomündiger Bürger? Ich freue mich auf Ihre Antwort. Gruß. Nicola Hengst-Gohlke

07.02.2014 11:44:02

Sehr geehrte Frau Hengst-Gohlke,

haben Sie vielen Dank für Ihre Frage, wie ein Bürger risikomündig wird, auf die ich Ihnen gerne meine Sichtweise schildere.

Kleine und große Risiken umgeben uns tagtäglich, sie sind der Grund, warum es Versicherer gibt. Ein risikomündiger Bürger ist für uns jemand, der sich ein Bild über seine Risiken verschafft und diese auch absichert. Sich rechtzeitig um die Altersvorsorge zu kümmern, gehört ebenso dazu, wie das Tragen eines Sicherheitsgurtes beim Autofahren. Der risikomündige Bürger achtet darauf, das eigene Risiko zu minimieren, aber vor allem auch, Dritte nicht zu schädigen.

Aber wie wird man risikomündig? Die Risiken im Straßenverkehr einzuordnen, fällt vielen Menschen leichter als beispielsweise die Finanzmarktrisiken. Man braucht in erster Linie Informationen und Wissen, um die Risiken zu verstehen und richtig darauf zu reagieren.

Als Versicherer und Finanzdienstleister verfügt die Allianz über sehr viel Wissen Risiken betreffend. Wir sehen es zudem als unsere Pflicht an, dieses Wissen zu teilen – nicht nur im Beratungs- oder Verkaufsgespräch. Als verantwortlich handelndes Unternehmen, haben wir zum Beispiel die Internetplattform „Open Knowledge“ gegründet, auf der wir Informationen über die zukünftigen Risiken in den Bereichen Demografie, Mobilität, Umwelt und Finanzen teilen. In zahlreichen eigenen Studien und Publikationen stellen wir unser Know-how aus vielen Bereichen zur Diskussion, so zum Beispiel über die Risiken der Ablenkung im Straßenverkehr, oder die wachsende Bedeutung von Cyber-Risiken für Unternehmen.

Ein risikomündiger Bürger verknüpft das Wissen aus der eigenen Lebenserfahrung, aus Medien oder Unternehmensquellen und von Freunden, wodurch er sein Leben und seinen Alltag entsprechend absichern und gestalten kann. Das bedeutet nicht, dass jeder zwanzig Versicherungspolicen besitzen muss und am besten zu Hause bleibt. Man muss nicht „risikoavers“ sein um als risikomündig zu gelten. Auch ein Alpinkletterer, der die steilste Felswand bezwingt, ist meist alles andere als ein Hazardeur: Er hat trainiert, das notwendige Equipment besorgt, den Wetterbericht studiert und dabei auch an die Absicherung seiner Familie gedacht.

Die Gefährdung durch Risiko kann zu etwas Positivem führen. Unternehmerisches Risiko beispielsweise steht oft am Anfang von Innovation und Wirtschaftskraft. Wenn Menschen das Risiko nicht nur für sich selbst, sondern sogar für andere auf sich nehmen, entstehen Heldengeschichten. Ob Nelson Mandela, das pakistanische Mädchen Malala Yousafzai oder Vladimir Klitschko – sie haben großes Risiko auf sich genommen, um die Welt zu verändern.

Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen mit dem Thema Risiko kritisch auseinandersetzen und auch den Mut haben, als risikomündiger Bürger an unserer Gesellschaft zu partizipieren.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Diekmann

Adressat/in der Frage

Michael Diekmann

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