Verfasser/in der Frage

27.10.2015 00:17:28

Sehr geehrter Herr Clever,

gerade las ich auf Spiegel Online (Quelle s.u.), dass Sie das Innenministerium darum gebeten hätten, eine Sammelpublikation der BPB über das Wechselverhältnis von Ökonomie und Gesellschaft „… in dieser Form nicht weiter zu vertreiben“, da darin „ideologische und voreingenommene Anschuldigungen“ transportieren würde. Das Innenministerium folgte Ihrem Anliegen und sprach ein Vertriebsverbot aus – und zwar unter Verweis auf das Indoktrinationsverbot und Kontroversitätsgebot der BPB.

Dieser Durchgriff auf die Schulbildung hat mich ziemlich überrascht. Definitiv ist es begrüßenswert, Unternehmergeist und Selbstwirksamkeit bei Schülern schon früh zu fördern und ein differenziertes Bild der Wirtschaft zu vermitteln. Was mich an dieser Stelle interessiert: Was genau war an der Sammelpublikation denn so verkehrt? Und welches Bild der Wirtschaft wäre das richtige?

Über Ihre Antwort würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Florian Junge

Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/lobby-und-schule-arbeitgeberverband-stoppt-wirtschaftsbuch-a-1059654.html

28.10.2015 13:33:35

Sehr geehrter Fragensteller, Sie können unter folgenden Links die Stellungnahme von Peter Clever (bit.ly/1GGlpqs) sowie den Brief an die Bundeszentrale für politische Bildung nachlesen (bit.ly/1PScOD3).

29.10.2015 20:47:21

Sehr geehrter Herr Clever,

herzlichen Dank für Ihre Reaktion aus Ihrem Büro. In Ihrer offziellen Stellungnahme äußern Sie im letzten Absatz: „Ich begrüße es, wenn nun eine Diskussion um eine ausgewogene, von Diffamierung freie Darstellung des unternehmerischen Engagements in Politik und Gesellschaft stattfindet.“

Nur, diese Diskussion sollte auch jemand führen. Ich gehe davon aus, dass Sie ein sehr konkretes Bild von der Wirtschaft haben, welche Chancen sich bieten, wie Wirtschaft stattfinden sollte, welche Rolle und Verantwortung diese (vielleicht?) in der Gesellschaft hat. Ich würde mich sehr freuen, Ihren Standpunkt dazu zu verstehen – Ihren persönlichen, Ihre Überzeugung, die sie in Ihrer Arbeit motiviert. Das würde einer ernsthaften Diskussion sehr zu Gute kommen.

Mit freundlichen Grüßen
Florian Junge

30.10.2015 23:24:11

Hallo Herr Junge, den Brief an den Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung hatte ich persönlich redigiert und im Mittelteil klar dargelegt, welche Rolle und Verantwortung die Unternehmer in der Kooperation mit Schulen einnehmen. Bitte lesen Sie diesen Brief durch (der Link ist ja oben angeführt), dann haben Sie meine Antwort.
Beste Grüße. und schönes Wochenende
Peter Clever

30.10.2015 23:24:11

Hallo Herr Junge, den Brief an den Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung hatte ich persönlich redigiert und im Mittelteil klar dargelegt, welche Rolle und Verantwortung die Unternehmer in der Kooperation mit Schulen einnehmen. Bitte lesen Sie diesen Brief durch (der Link ist ja oben angeführt), dann haben Sie meine Antwort.
Beste Grüße. und schönes Wochenende
Peter Clever

08.11.2015 23:17:29

Guten Abend, Herr Clever,

herzlichen Dank für Ihre persönliche Antwort. Ich habe Ihren Brief an den Präsidenten der BPB Herrn Krüger inzwischen gelesen. Sie bemängeln dort explizit, dass in dem Sammelband ein „monströses Gesamtbild von intransparenter und eigennütziger Einflussnahme der Wirtschaft auf Politik und Schule gezeichnet“ wird. Ohne dass ich das Werk beurteilen kann, wäre das natürlich ein nicht wünschenswertes und auch nicht angemessenes Bild des gesellschaftlichen Beitrages der Wirtschaft, wenngleich die Schlagzeilen der Tagespresse aktuell wie in der Vergangenheit eine solche Wirklichkeitskonstruktion durchaus begünstigen – Libor-Skandal der Deutschen Bank, Bestechungsskandal bei Siemens, Abgasskandal bei VW, …

Umso wichtiger, dass über das „Bild der Wirtschaft“ öffentlich diskutiert wird, um nicht einseitige Perspektiven und Standpunkte zu verhärten. Ich habe verstanden, dass es für Sie beim „Engagement der Wirtschaft in der Schule […] um Berufsorientierung und Sicherung der Ausbildungsreife“ geht und Sie sehen die Schule und Lehrkräfte als „autonome Partner, die selbständig entscheiden, welche Kooperationen sie eingehen und welche Materialien […] sie einsetzen“.

Sie beenden Ihr Schreiben mit der Bitte, den Vertrieb des Bandes einzustellen, und dem Angebot, dass Sie für ein Gespräch dazu zur Verfügung stehen. In Kopie ging das Schreiben auch an das Bundesinnenministerium.

Was mich interessiert: Gab es mit Herrn Krüger noch einen Austausch dazu und hat es Sie überrascht, dass das Bundesinnenministerium sechs Wochen nach Ihrem Brief dem BPB den Vertrieb verboten hat? Denn genau das ist es ja, was so irritierend ist: es wirkt ja nun so, als würden Sie genau das oben zitierte monströse Bild der Wirtschaft, das Sie ja nicht so stehen lassen wollten, genau mit diesem Vorgang wieder bestätigen.

Über Ihre persönliche Reflexion dazu würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Florian Junge

PS: Ich stehe weder mit einer der beteiligten Institutionen in Kontakt noch bin ich in sonstiger Weise Vertreter einer in dem Thema engagierten Einrichtung. Mein Interesse für Ihre Meinung rührt lediglich aus der Überzeugung, dass ein offener Dialog in der heutigen Zeit wertvoller sein kann als die Durchsetzung einseitiger Standpunkte – egal von welcher Seite.

10.11.2015 06:18:49

Hallo Herr Junge,
Sie berichten von meiner angeblichen Forderung, "den Vertrieb des Bandes einzustellen", tatsächlich habe ich wegen der dem Beutelsbacher Konsens verpflichteten Bundeszentrale für politische Bildung gebeten, den Band "in dieser Form" nicht weiter zu vertreiben. Mein Ziel ist ein Mindestmaß an Ausgewogenheit. Wenn aber extrem einseitige Meinungen und aus meiner Sicht auch nicht realistische Positionen fast durchgängig in einem von der BpB empfohlenen Band zum Lernziel für Schüler erhoben werden, ist unser Bemühen um Ausgewogenheit weder Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit noch Unterdrückung bestimmter Meinungen, wie teilweise (nicht von Ihnen!) behauptet.

Bis heute hat der Präsident der BpB mir auf den an ihn gerichteten Brief noch nicht geantwortet. Auch der über die Vorsitzende ebenfalls unterrichtete wissenschaftliche Beirat hat sich mir gegenüber noch nicht gemeldet. Ein Protokoll der Sitzung des Wiss. Beirats war nicht zu erhalten, ist angeblich auch nicht existent.
Ich habe mich mangels einer Antwort über mein Sekretariat um einen Termin mit BpB-Präsident Krüger bemüht, für das er zwei Termine im Januar angeboten hat.
Mittlerweile liegt dem Band ein Hinweisblatt auf andere Publikationen der BpB bei, was ungewöhnlich ist aber offenbar motiviert ist durch die extreme Einseitigkeit des von mir sachlich kritisierten Bandes. Ich hoffe, die BpB findet einen Weg, so umfangreiche Publikationen, wie dieser Band sie darstellt, mit dem erkennbaren Bemühen um Ausgewogenheit zu publizieren und damit insgesamt den Beutelsbacher Konsens einzuhalten.

Besten Gruss
Peter Clever

Adressat/in der Frage

Peter Clever

BDA Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
Mitglied der Hauptgeschäftsführung
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