Verfasser/in der Frage

22.11.2012 12:01:11

Hallo Herr Schulte-Bockum,

da mir in meiner HR-Berufspraxis folgender Fall (so oder ähnlich) häufiger vorkam, interessiert mich Ihre Meinung als Top-Manager:

Ein MItarbeiter wird zur Führungskraft befördert, ohne Gehaltserhöhung – diese ist wage für die Zukunft in Aussicht gestellt. Hinzu kommt, dass sein ehemaliger Vorgesetzer “degradiert“ wurde und nun bei ihm Teammitglied ist, und zwar mit seinem alten Gehalt. All dies wird dem neuen Teamleiter klar, als er für die jährlichen Gehaltsverhandlungen die Gehaltsliste aller seiner Mitarbeiter erhält.

Meine Frage daher an Sie: Warum machen Entscheider so etwas – vorallem vor dem Hintergrund, dass doch sowieso alles rauskommt?

Vielen Dank für Ihre Beantwortung! Mit besten Grüßen

Petra Gacheru

28.11.2012 13:06:00

Sehr geehrte Frau Gacheru,
vielen Dank für Ihren Beitrag. Bei so einer spezifischen Frage sollte man die indivduellen Begleitumstände kennen, um eine abschließende Bewertung vorzunehmen. Gern teile ich aber mit Ihnen einige grundsätzliche Gedanken.

Ich halte einen offenen und ehrlichen Umgang zwischen Führungskräften und Mitarbeitern für essentiell für jedes Unternehmen. Diese Offenheit vermisse ich in der von Ihnen beschriebenen Situation. Es kann durchaus gute Gründe geben, warum ein erfahrener Mitarbeiter ein höheres Gehalt als sein neuer Vorgesetzter bezieht, z.B. weil er sich in seiner Laufbahn wertvolles Wissen angeeignet hat. Wichtig finde ich bei solchen Konstellationen, dass sie in eine faire und nachvollziehbare Gesamtstruktur eingebettet sind und die neue Führungskraft die Hintergründe kennt und nachvollzieht.

Auf einen offenbar konkreten Fall eine abstrakte Antwort zu geben ist aber sehr schwer. Ihre Frage berührt dabei in meinen Augen aber ein wichtiges Thema: die Führungskultur in Unternehmen. Angefangen beim Top-Management müssen Offenheit und Transparenz (vor-)gelebt werden. Für mich gibt es hier einen Zusammenhang mit der "Kommunikationswirklichkeit" im privaten Umfeld: Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter privat in den sozialen Medien unterwegs sind, als Kunden immer und überall ihre Meinung sagen können und sie die Kommunikation über Hierarchien hinweg (zum Beispiel auf Twitter oder in sozialen Netzwerken) als Normalität wahrnehmen – dann müssen wir diese veränderten Kommunikationsmuster auch in die Unternehmenswirklichkeit holen. Führungskultur heißt dann: Ziele definieren, Freiräume ermöglichen und eine Vertrauenskultur schaffen. Hierzu zählt für mich auch das Vertrauen auf einen fairen Umgang miteinander und Offenheit.

Beste Grüße

Ihr Jens Schulte-Bockum

11.01.2013 12:04:37

Frohes Neues Jahr, Herr Schulte-Bockum, und vielen Dank für Ihre rasche und engagierte Antwort!

Ich bin ganz bei Ihnen, was die Notwendigkeit von Offenheit, Ehrlichkeit und Fairness anbelangt. Warum man Menschen für den gleichen Job unterschiedlich bezahlt, erschliesst sich mir aber immer noch nicht – bzw. erscheint es mir ziemlich Old-School.

Passenderweise fand ich ein amüsantes Experiment, das zeigt, wie wichtig gleiche Bezahlung von gleicher Leistung ist: http://www.upworthy.com/2-monkeys-were-paid-unequally-see-what-happens-next?g=3&c=upw1

Welches sind aus Ihrer Sicht die Gründe, warum in ganz vielen Unternehmen keine Transparenz über die Bezahlung vorherrscht und der Austausch über sein Gehalt mit Kollegen sogar untersagt ist? Und was können wir tun, um zu fairer Bezahlung zu gelangen?

Beste Grüße

Petra Gacheru

Adressat/in der Frage

Jens Schulte-Bockum

CEO
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